Vom Glück zwischen Blumen und Früchten zu feiern

Liebe Neuländer,
zehn sommerliche Wochen lang hatte das Bremer Feiervolk das Glück, im Garten Eden zwischen Blumen und Früchten feiern zu dürfen. Zehn Wochen lang hatten die Bremer Subkulturen ein 10.000 m2 großes Idyll für sich, um der Kreativität freien Raum zu lassen. Und zehn Wochen lang schien dem Zucker Club buchstäblich die Sonne aus dem Arsch, da er die Sommermonate nicht im hauseigenen Loch verbringen musste. Aber da nicht alles, was in diesen zehn Wochen auf dem Neuland passierte, uneingeschränkt auf Zustimmung stieß und einige Fehler eingeräumt werden müssen, gibt es jetzt dieses Resümee, für alle, die es interessiert. Außerdem soll hier Platz sein, um allen zu danken, die dieses Projekt möglich gemacht haben.
Zunächst geht der Dank an alle fleißigen Menschen, die Woche für Woche auf das Neuland kamen und allein für die Sache und ein paar Umsonst-Drinks ihre Energie in das Projekt fließen ließen. Das sind die MalerInnen und MusikerInnen, die ihre Kreativität über das Gelände verteilten, die Menschen, welche Bühnen, Tresen und Deko-Kram bauten, die VoKü-Gruppe, Menschen, die sich um den ganzen organisatorischen Wahnsinn kümmerten, um Flyer und Technik, Menschen am Tresen, an der Kasse oder als OrdnerInnen auf oder vor dem Gelände, Menschen, die nach den Parties Kronkorken und Kippen aus dem Gras kratzten. Alle diese unzähligen Personen, wir können nur schätzen, aber es waren wohl um die hundert Personen, haben mit der Aussicht, kein Geld oder nur Centbeträge für ihren Einsatz zu erhalten, gearbeitet. Aber sie taten dies in dem Bewusstsein, dass diese wunderbaren Veranstaltungen ohne sie nicht funktionieren würden.
Dann soll der ZwischenZeitZentrale Bremen (ZZZ) und den Mitgliedern ihrer Lenkungsgruppe, der Immobilien Bremen, allen beteiligten Senatsressorts und Ämtern der Stadt – insbesondere Herrn Bruckhaus von der Immobilien Bremen und Herrn Ganzen vom Stadtamt Bremen gedankt werden. Diese Institutionen und Personen haben es den Neuländern erst ermöglichten, das Gelände zu nutzen und sich nach Kräften bemüht, unseren Bedürfnissen gerecht zu werden.
Letztendlich sei noch dem Unternehmen Nehlsen gedankt, das uns das ganze Bauholz zur Verfügung stellte und der Firma JOKE, die uns in Sachen Veranstaltungstechnik unterstützt hat. Auch diese Unternehmen haben entschieden zum Gelingen des Projektes beigetragen.
Alle diese Personen und Institutionen haben dazu beigetragen, dass wir einen wundervollen Sommer in grün und bunt verbringen durften. Wir schauen auf eine ganze Reihe unvergesslicher Wochenenden zurück und auf bereichernde Veranstaltungen unter der Woche, wie Kinoabenden und Diskussionsveranstaltungen. Gerne hätten wir diesen kulturellen Rahmen umfangreicher gestaltet. Diese Vision scheiterte leider an den Faktoren Zeit, Kommunikation und Energie. Der katastrophal kurze Vorlauf des Projektes machte es schwierig, interessierte Gruppen aus dem kulturellen Bereich für unser Projekt zu gewinnen. Aber auch Gruppen, welche von den Möglichkeiten, die das Neuland bietet, wussten, fühlten sich zum Teil nicht als Teil des Projektes integriert. Hier müssen wir für die Zukunft an einer anderen Kommunikations-Kultur arbeiten, die nicht eine für einige selbstverständliche Form der Eigeninitiative als selbstverständliche Arbeitsweise aller ansieht, sondern diesen Gedanken weitervermitteln kann. So fiel die Gestaltung des kulturellen Programms letztlich auf einige wenige zurück, die in ihrer Freizeit nur ein bestimmtes Maß an Aufgaben stemmen konnten. Daher möchten wir für ein hoffentlich anstehendes nächstes Projekt mehr engagierter Gruppen finden, die den DIY-Gedanken des Projektes teilen.
Es kam zu einigen verärgerten Reaktionen bezüglich der Preise an der Bar sowie dem Umgang mit Fremdgetränken am Einlass. Viele haben nicht verstanden, wie ein unkommerzielles Projekt, das den DIY-Gedanken vertritt, solche Wucherpreise rechtfertigen kann. Dazu zunächst der Hinweis, dass DIY (do it yourself) etwas anderes bedeutet, als BYO (bring your own). Wir haben jedem die Möglichkeit geboten, sich die hohen Kosten, welche eine heftig durchfeierte Nacht nun einmal mit sich bringt, zu verringern, indem er/sie sich einbringt. Sei es als KünstlerIn oder als OrdnerIn. Ein solches Projekt ist natürlich mit hohen Kosten verbunden, solange es nicht in völliger Autarkie existiert. Miete, Wasser, Strom, Baumaterialien, Getränkesteuern usw. usf. sind Kosten, welche irgendwie erwirtschaftet werden müssen. Und wenn die ganze schöne Feierkohle an den gegenüber angesiedelten Mineralöl-Konzern statt in das Projekt fließen, ist keinem geholfen. Erschwerend kommt hinzu, dass nicht das Projekt alleine finanziert werden musste. Grundgedanke des Projektes Neuland war die Quersubventionierung des Zucker Clubs, der es jedes Jahr wieder schwer hat, die schlecht besuchten Sommermonate zu überleben. Und dort sind die Kosten noch einmal beträchtlich höher als im Neuland selber, was unter anderem auch an dem verschwenderischen Konzept des Ladens liegt, der auch unerfahrenen VeranstalterInnen offen steht und so einen ungewöhnlich hohen Schwund an Equipement und Energie zu verzeichnen hat. Mit diesem Gedanken in Hinterkopf wird es daher auch nicht mehr so sehr verwundern, dass sich das Projekt trotz aller ehrenamtlichen HelferInnen erst mit den letzten beiden Veranstaltungen rentierte.
Innerhalb der Gruppe Neuland, d.h. dem erweiterten Netzwerk um den Zucker Club, gab es einige Probleme bezüglich der Kommunikation und Arbeitsteilung. Hier hoffen wir, eine Plenums-Kultur entwickeln zu können, welche es ermöglicht, alle Meinungen hörbar zu machen und trotzdem eine produktive Arbeitsweise zu gewährleisten. Dabei soll der Zucker Club als Projektträger in den Hintergrund treten und das individuelle Engagement und die Kräfte des erweiterten Zucker-Netzwerkes stärker hervortreten. Das setzt aber erstens voraus, dass mehr Verantwortung von einzelnen übernommen wird. Es soll stärker definierte Aufgabenbereiche geben, die einzelnen Personen anvertraut werden. So werden verlässliche Ansprechpartner geschaffen, die Verantwortung versickert nicht in der Gruppe und die Arbeitsteilung kann bis zum Ende des Projektes durchgehalten werden. An dieser Stelle stellt sich auch die Frage, wie es verhindert werden kann, dass gegen Projektende immer mehr Arbeit an immer weniger Menschen hängen bleibt. Ein frühzeitig eingerichtetes „Arbeitsamt“ könnte hier helfen. Zweitens muss eine rechtliche Regelung gefunden werden, welche den Zucker Club aus der Verantwortung nimmt. So hoffen wir, einen größeren Spielraum bei der Verhandlung um Genehmigungen gewinnen zu können, die Verantwortung von einzelnen zu nehmen und flachere Strukturen zu etablieren.
Alles in allem schauen wir also auf einen bunten Sommer zurück, der beim Bremer Raver keine Wünsche offen ließ, für die am Projekt Beteiligten eine gute Schule des schönen Lebens bedeutete, das einem halt nicht einfach zufällt, sondern gemeinsames leben, lernen und arbeiten verlangt. In diesem Sinne freuen wir uns alle auf den nächsten Sommer!
Bis dann, das Neuland.